20. April 2026
10. Juli 2026
Ob Antibiotikum, Schmerzmittel oder komplexe Therapie: Medikamente müssen zuverlässig dort ankommen, wo sie gebraucht werden. Doch steigende Medikamentenengpässe und fragile Lieferketten zeigen, wie anspruchsvoll diese Aufgabe geworden ist. Denn Versorgungssicherheit ist kein Zufall. Sie ist das Ergebnis von funktionierenden Systemen und vertrauensvoller Zusammenarbeit.
Wenn Medikamente in einer Apotheke abgegeben oder in einer Arztpraxis verabreicht werden, denkt kaum jemand über die Logistik im Hintergrund nach. Genau so soll es sein. „Wenn Pharmalogistik gut funktioniert, ist sie unsichtbar. Wenn sie nicht funktioniert, merkt es sofort das ganze Gesundheitssystem“, sagt Patrick Moosbrugger, Leiter Field Sales bei Galexis.
Die Service Unit Wholesale & Logistics von Galenica vereint mehrere spezialisierte Unternehmen – darunter Alloga, Galexis, Unione, Pharmapool und Health Supply – zu einem integrierten Netzwerk für die Pharmalogistik. Gemeinsam stellen sie sicher, dass Medikamente aus der Industrie zuverlässig ihren Weg zu Apotheken, Drogerien, Arztpraxen und Spitälern finden. Dazu stehen sie in stetigem Austausch mit den Industriepartnern, den Behörden sowie den Leistungserbringern und investieren kontinuierlich in die Weiterentwicklung und Modernisierung von Prozessen, Anlagen und IT-Infrastruktur.
Versorgungssystem unter Druck
Die Zahlen sind deutlich: Mehr als jedes zweite Medikament fehlte im Jahr 2025 mindestens einmal im Sortiment. Viele dieser Ausfälle sind kurzfristig, können aber dennoch erheblichen Aufwand für Apotheken, Drogerien, Arztpraxen und Spitäler verursachen. Globale Produktionsketten, steigende Nachfrage und geopolitische Spannungen haben Medikamentenengpässe zu einem regelmässigen Thema im Gesundheitswesen gemacht. „Wenn ein Medikament heute nicht verfügbar ist, liegt die Ursache selten in der Auslieferung, sondern viel früher in der Lieferkette“, erklärt Patrick Weisskopf, Head of Procurement, von Galexis.
Der Grosshandel kann solche Engpässe nicht verhindern, doch er kann helfen, ihre Auswirkungen abzufedern. Allein bei Galexis werden täglich rund 160'000 Bestellzeilen verarbeitet und über das Jahr hinweg mehr als 11 Millionen Kisten ausgeliefert. Doch dieses System wird zunehmend gefordert.
„Versorgungssicherheit entsteht nicht durch Einzelkämpfer, sondern durch ein Netzwerk, in dem alle Teile der Lieferkette zusammenarbeiten“, so Weisskopf. Ein Beispiel ist die sogenannte Safety-Stock-Initiative. Ziel der Initiative ist es, dank zusätzlichen Sicherheitsbeständen kurzfristige Lieferunterbrüche zu überbrücken. Auch mit anderen Industriepartnern geht Galexis gezielt Kooperationen ein, um die Versorgungssicherheit mit wichtigen Arzneimitteln zu stärken.
Ein weiteres Beispiel zeigt, dass Versorgungssicherheit nicht nur durch zusätzliche Lagerbestände entsteht, sondern auch durch einen sorgsamen Umgang mit vorhandenen Medikamenten. Mit der Initiative „Geprüft und sicher“ trägt Galexis dazu bei, dass Medikamente mit rein kosmetischen Verpackungsschäden weiterhin in den Markt gebracht, statt unnötig entsorgt zu werden.
Digitalisierung als Chance und Verantwortung
In einem zunehmend angespannten Versorgungssystem entscheidet nicht nur der physische Warenfluss über die Verfügbarkeit von Medikamenten, sondern auch die Qualität der Informationen entlang der Lieferkette. Denn nur wenn Daten, Systeme und Prozesse nahtlos zusammenspielen, lassen sich Engpässe früh erkennen, Bestellungen zuverlässig verarbeiten und Alternativen rechtzeitig steuern.
Deshalb investiert die Service Unit Wholesale & Logistics in die Modernisierung und Weiterentwicklung ihrer IT-Systeme. Mit SAP entsteht eine moderne, einheitliche Systembasis, welche die Logistikqualität nachhaltig stärkt und die Grundlage für eine stabile Versorgung bildet.
Die Wirkung zeigt sich besonders dort, wo Systeme zusammengeführt werden. Bereits im März 2025 wurden bei Galexis die zentralen Unternehmenssysteme sowie das Distributionszentrum Lausanne-Ecublens auf SAP umgestellt, auch Alloga arbeitet bereits mit dem neuen System. Mit der Einführung des neuen Lagerverwaltungssystems im Distributionszentrum Niederbipp vom 28. August bis 1. September 2026 folgt nun der letzte grosse Schritt.
Mit der einheitlichen Systemlandschaft lassen sich Prozesse über Standorte und Unternehmen hinweg besser abstimmen. Davon profitieren Kundinnen und Kunden ebenso wie Industriepartner: Informationen werden konsistenter, Abläufe transparenter und die Zusammenarbeit in der Lieferkette wird vereinfacht.
Wo Vertrauen in der Lieferkette entsteht
Eine starke Systembasis entfaltet ihre Wirkung nur dann, wenn sie entlang der gesamten Lieferkette greift. Hier setzt der Pre-Wholesaler Alloga an. Während der Grosshandel Engpässe im Markt abfedert, beginnt ein zentraler Teil der Versorgungssicherheit früher: bei der kontrollierten Logistik zwischen Pharmaindustrie und Markt. Vom Standort in Burgdorf wird rund jede zweite Medikamentenpackung bewegt, die in die Schweizer Vertriebskanäle gelangt.
Die Grundlage dafür sind stabile und klar definierte Prozesse. Standards wie die Good Distribution Practice (GDP) stellen sicher, dass Medikamente unter kontrollierten Bedingungen gelagert, transportiert und dokumentiert werden. Entscheidend ist jedoch, wie diese Standards im Alltag gelebt werden. „Qualität ist bei uns keine Abteilung, sondern Teil unserer täglichen Arbeit“, sagt Bernhard Megert, Co-Lead Partners & Solutions bei Alloga.
Gerade bei sensiblen Lieferketten braucht es zusätzliche Absicherungen. Versorgungssicherheit entsteht deshalb nicht nur durch Infrastruktur oder Technologie, sondern durch das Zusammenspiel von verlässlichen Prozessen, klaren Verantwortlichkeiten und erfahrenen Mitarbeitenden über alle Stufen der Lieferkette hinweg.
Auch die Rahmenbedingungen entwickeln sich weiter
Versorgungssicherheit endet nicht an den Unternehmensgrenzen. Damit die Zusammenarbeit entlang der Lieferkette funktioniert, braucht es auch passende Rahmenbedingungen. Entsprechend rücken Engpässe und Versorgungsfragen zunehmend in den Fokus der Politik.
Mit der Volksinitiative «Ja zur medizinischen Versorgungssicherheit» und dem direkten Gegenentwurf des Bundesrats wird aktuell diskutiert, wie die Versorgung langfristig stabilisiert werden kann. Im Zentrum steht die Frage, wie Engpässe frühzeitig erkannt und wirksamer verhindert werden können.
Parallel dazu wurden bereits konkrete Massnahmen umgesetzt. So gilt seit Juni 2026 eine verschärfte Meldepflicht für Pharmaunternehmen: Bestände lebenswichtiger Medikamente müssen regelmässig gemeldet und Lieferunterbrüche frühzeitig angezeigt werden. Das erhöht die Transparenz entlang der Lieferkette und ermöglicht eine bessere Koordination zwischen den Akteuren. Ergänzend verfolgt der Bundesrat weitere Massnahmen – etwa zur verbesserten Überwachung der Versorgungslage sowie zur erleichterten Einfuhr und Produktion wichtiger Arzneimittel. Ziel ist es, das bestehende System gezielt zu stärken, dort wo einzelne Akteure allein an Grenzen stossen.
Versorgungssicherheit ist Teamarbeit
Versorgungssicherheit ist heute eine gemeinsame Aufgabe vieler Akteure – von Herstellern über Logistikunternehmen bis zu Apotheken, Spitälern und Behörden. Initiativen wie nationale Plattformen zur frühzeitigen Erkennung von Engpässen sollen diese Zusammenarbeit weiter stärken und die Transparenz im System erhöhen.
Entscheidend ist dabei, dass vom ersten Produktionsschritt bis zur Abgabe beim Patienten alle Teile der Lieferkette ineinandergreifen. Denn Versorgungssicherheit entsteht nicht an einem einzelnen Punkt, sondern im Zusammenspiel.
Am Ende steht immer ein Mensch, der auf seine Therapie angewiesen ist. Damit diese zuverlässig verfügbar ist, muss das Netzwerk funktionieren.
Patrick Moosbrugger
Head of Field Sales
Patrick Weisskopf
Head of Procurement
Bernhard Megert
CEO Alloga a.i.
Co-Lead Partners & Solutions
Alle wichtigen Informationen und die aktuellen Termine zur Systemumstellung bei Galexis finden Sie im Kundenportal unter www.e-galexis.com/systemumstellung. Informieren Sie sich frühzeitig über Einschränkungen und welche Massnahmen Sie treffen können, um sich vorzubereiten.