HCI-Connect

Versorgungssicherheit entsteht im Netzwerk

19. März 2026

Ob Antibiotikum, Schmerzmittel oder komplexe Therapie: Medikamente müssen zuverlässig dort ankommen, wo sie gebraucht werden. Doch steigende Medikamentenengpässe und fragile Lieferketten zeigen, wie anspruchsvoll diese Aufgabe geworden ist. Versorgungssicherheit entsteht heute nicht mehr nur durch effiziente Logistik – sie beruht auf einem Zusammenspiel von Systemen, Daten, Prozessen und Menschen entlang der gesamten Lieferkette.

Wie dieses Zusammenspiel in der Praxis funktioniert, zeigten Vertreter der Galenica Service Unit Wholesale & Logistics (WSL) am 12. März 2026 am Branchenanlass «HCI Connect» in Bern. Im Zentrum der Beiträge stand eine zentrale Erkenntnis: Versorgungssicherheit ist kein Zufall, sie ist das Ergebnis eines funktionierenden Systems und vertrauensvoller Zusammenarbeit.

Wenn Logistik funktioniert, bleibt sie unsichtbar

Wenn Medikamente in einer Apotheke abgegeben oder in einer Arztpraxis verabreicht werden, denkt kaum jemand über die Logistik im Hintergrund nach. Genau so soll es sein.

Die Service Unit Wholesale & Logistics vereint mehrere spezialisierte Unternehmen der Galenica Gruppe – darunter Alloga, Galexis, Unione, Pharmapool und Health Supply zu einem integrierten Netzwerk für die Pharmalogistik. Gemeinsam stellen sie sicher, dass Medikamente aus der Industrie zuverlässig ihren Weg zu Apotheken, Drogerien, Arztpraxen und Spitälern finden.

Die Dimensionen sind beträchtlich: Allein bei Galexis werden täglich rund 160'000 Bestellzeilen verarbeitet und über das Jahr hinweg mehr als 11 Millionen Kisten ausgeliefert. Eine Strecke, die aneinandergereiht etwa einem halben Erdumfang entspricht. Doch hinter diesen Zahlen steht vor allem eines: Vertrauen. Das Vertrauen der Industriepartner, die ihre Produkte in diese Lieferketten geben, und das Vertrauen der Gesundheitsinstitutionen, die sich auf deren Stabilität verlassen.

Patrick Moosbrugger, Leiter Field Sales, Galexis
Patrick Moosbrugger, Leiter Field Sales, Galexis

«Wenn Pharmalogistik gut funktioniert, ist sie unsichtbar. Wenn sie nicht funktioniert, merkt es sofort das ganze Gesundheitssystem»,

sagte Patrick Moosbrugger, Leiter Field Sales bei Galexis.

Wenn das Versorgungssystem unter Druck gerät

Dass dieses System zunehmend gefordert wird, zeigt die Entwicklung der letzten Jahre. Globale Produktionsketten, steigende Nachfrage und geopolitische Spannungen haben Medikamentenengpässe zu einem regelmässigen Thema im Gesundheitswesen gemacht.

«Wenn ein Medikament heute nicht verfügbar ist, liegt die Ursache selten in der Auslieferung, sondern viel früher in der Lieferkette», erklärte Patrick Weisskopf, Head of Procurement, von Galexis.

Die Zahlen sind deutlich: Mehr als jedes zweite Medikament fehlte im Jahr 2025 mindestens einmal im Sortiment. Viele dieser Ausfälle sind kurzfristig, können aber dennoch erheblichen Aufwand für Apotheken, Drogerien, Arztpraxen und Spitäler verursachen. Der Grosshandel kann solche Engpässe nicht verhindern, doch er kann helfen, ihre Auswirkungen abzufedern. Ein Beispiel ist die sogenannte Safety-Stock-Initiative, bei der gezielt zusätzliche Sicherheitsbestände an Medikamenten aufgebaut werden, um kurzfristige Lieferunterbrüche zu überbrücken.

Ein weiteres Beispiel zeigt, dass Versorgungssicherheit nicht nur durch zusätzliche Lagerbestände entsteht, sondern auch durch einen sorgsamen Umgang mit vorhandenen Medikamenten. Mit der Initiative «Geprüft und sicher» werden Medikamente mit rein kosmetischen Verpackungsschäden weiterhin in den Markt gebracht, statt unnötig entsorgt zu werden.

Patrick Weisskopf, Head of Procurement, Galexis
Patrick Weisskopf, Head of Procurement, Galexis

«Versorgungssicherheit entsteht nicht durch Einzelkämpfer, sondern durch ein Netzwerk, in dem alle Teile der Lieferkette zusammenarbeiten»,

sagte Weisskopf.

Wo Vertrauen in der Lieferkette entsteht

Während der Grosshandel Engpässe im Markt abfedern kann, beginnt ein wichtiger Teil der Versorgungssicherheit noch früher – bei der kontrollierten Logistik zwischen Pharmaindustrie und Markt. Hier kommt der Pre-Wholesaler Alloga ins Spiel. Vom Logistikstandort in Burgdorf wird rund jede zweite Medikamentenpackung, die in der Schweiz in die Vertriebskanäle gelangt, durch die Systeme des Unternehmens bewegt.

Der Schlüssel liegt in stabilen und kontrollierten Prozessen. Standards wie die Good Distribution Practice (GDP) sorgen dafür, dass Medikamente unter definierten Bedingungen gelagert, transportiert und dokumentiert werden. Doch Standards allein reichen nicht aus.

Gerade bei besonders sensiblen Lieferketten – etwa bei streng regulierten Therapien – müssen Logistikprozesse zusätzlich abgesichert werden. Versorgungssicherheit entsteht deshalb nicht nur durch Infrastruktur oder Technologie, sondern auch durch ein Zusammenspiel aus stabilen Prozessen, klaren Verantwortlichkeiten und erfahrenen Mitarbeitenden.

Bernhard Megert, Co-Lead Partners & Solutions, Alloga
Bernhard Megert, Co-Lead Partners & Solutions, Alloga

«Qualität ist bei uns keine Abteilung – Qualität ist ein fester Bestandteil unserer Arbeitsweise»,

erklärte Bernhard Megert, Co-Lead Partners & Solutions bei Alloga.

Versorgungssicherheit ist Teamarbeit

Die Diskussionen am «HCI Connect» machten deutlich, dass Versorgungssicherheit heute eine gemeinsame Aufgabe vieler Akteure ist. Von Herstellern über Logistikunternehmen bis zu Apotheken, Spitälern und Behörden. Neue Initiativen, etwa die nationale Heilmittelplattform zur frühzeitigen Erkennung von Engpässen, sollen künftig zusätzliche Transparenz schaffen. Doch unabhängig von technologischen Lösungen bleibt ein zentraler Faktor bestehen: Vertrauen.

Denn am Ende jeder Lieferkette steht ein Mensch, der auf seine Therapie angewiesen ist. Damit diese Therapie zuverlässig verfügbar ist, müssen Systeme, Prozesse, Daten und Menschen entlang der gesamten Lieferkette zusammenspielen. Oder anders gesagt: Versorgungssicherheit entsteht dort, wo Zusammenarbeit funktioniert - jeden Tag, meist unsichtbar, aber für das Gesundheitssystem unverzichtbar.

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